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Workshop mit Stephanie Quirk in Budapest: Modul 6

Workshop mit Stephanie Quirk in Budapest: Modul 6

Vom 10. bis 13. Oktober 2026 nahm ich in Budapest am sechsten Modul des Ausbildungsprogramms Seeing & Understanding from the Base unter der Leitung der renommierten Iyengar-Yoga-Lehrerin Stephanie Quirk teil. Das Modul mit dem Titel Acquiring the State of Balance & Harmony, Systemic Imbalance widmete sich der Erforschung des Gleichgewichts, des Zusammenspiels der verschiedenen Körpersysteme und des therapeutischen Ansatzes im Iyengar Yoga.

Stephanie Quirk ist eine international anerkannte Iyengar-Yoga-Lehrerin, die besonders für ihr fundiertes Wissen über den therapeutischen Ansatz bekannt ist. Sie lebte und arbeitete mehr als 20 Jahre in Pune, Indien, wo sie am Ramamani Iyengar Memorial Yoga Institute (RIMYI) direkt bei der Familie Iyengar lernte und bei therapeutischen Yogastunden mitwirkte. Heute gibt sie ihre langjährige Erfahrung an Lehrende und erfahrene Praktizierende auf der ganzen Welt weiter.

Im Mittelpunkt des viertägigen Workshops stand die Anpassung der Yogapraxis an unterschiedliche gesundheitliche Beschwerden und Erkrankungen, von hohem und niedrigem Blutdruck bis hin zu chronischer Erschöpfung und neurologischen Erkrankungen. In Vorträgen und praktischen Demonstrationen zeigte Stephanie, wie wichtig es ist, den Gesundheitszustand, die Fähigkeiten und die Einschränkungen jedes Einzelnen zu verstehen und auf dieser Grundlage eine geeignete Asana-Sequenz zu entwickeln.

Besondere Aufmerksamkeit widmeten wir der präzisen Ausführung, der Abfolge der Asanas und dem bewussten Einsatz von Hilfsmitteln. Wir untersuchten, wie Veränderungen der Unterstützung, der Streckungsrichtung oder der Dauer einer Haltung die Erfahrung in der Praxis beeinflussen können. Gerade diese Details sind entscheidend für das Verständnis des therapeutischen Ansatzes im Iyengar Yoga, bei dem die Auswahl einer Asana nur einen Teil eines umfassenderen, sorgfältig durchdachten Prozesses darstellt.

 

Erster Tag: Vom Blutdruck zu einer Praxis zur Unterstützung des Immunsystems

Am ersten Tag beschäftigten wir uns mit hohem und niedrigem Blutdruck und untersuchten, wie sich durch die Auswahl und Anpassung der Asanas eine Praxis für Menschen mit unterschiedlichen gesundheitlichen Voraussetzungen gestalten lässt.

Während des Vormittagsvortrags erzählte Stephanie eine Geschichte aus Indien, die auf das Jahr 2009 zurückgeht, als die Stadt Pune von einem Ausbruch der H1N1-Grippe betroffen war.

In dieser Zeit entwickelte B. K. S. Iyengar eine spezielle Asana-Sequenz, die das Immunsystem unterstützen sollte. Stephanie erläuterte die Umstände ihrer Entstehung und erklärte, wie Iyengar durch die Auswahl und Abfolge der Haltungen auf die damaligen gesundheitlichen Herausforderungen reagierte.

Besonders interessant waren dabei die Parallelen zur COVID-19-Pandemie, die wir mehr als ein Jahrzehnt später erlebten.

Unsere Vormittagspraxis widmeten wir genau dieser Sequenz, die Stephanie unter dem Titel Practice That Supports the Immune System vorstellte.

Wir praktizierten Adho Mukha Svanasana, Uttanasana, Prasarita Padottanasana, Sirsasana, Dwi Pada Viparita Dandasana, Sarvangasana und Halasana. Einige Haltungen mussten wir anpassen, da uns nicht alle für die ursprüngliche Sequenz vorgesehenen Hilfsmittel zur Verfügung standen. Dazu gehörten unter anderem Wandseile für Sirsasana und spezielle Stuhlanordnungen für unterstützte Umkehrhaltungen.

Die Sequenz verbindet Vorwärtsbeugen, unterstützte Rückwärtsbeugen und Umkehrhaltungen. Entscheidend sind eine angemessene Unterstützung des Körpers, die Position des Kopfes und Bedingungen, die es ermöglichen, die Asanas über längere Zeit stabil und ohne unnötige Anstrengung zu halten.

Nachmittagspraxis: Unterstützung, Atmung und Gleichgewicht

Am Nachmittag vertieften wir das Thema niedriger Blutdruck und beschäftigten uns mit der Anpassung der Praxis an individuelle Bedürfnisse. Stephanie sprach unter anderem über orthostatische Hypotonie, bei der es beim schnellen Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen aufgrund eines plötzlichen Blutdruckabfalls zu Schwindel kommen kann.

Besondere Aufmerksamkeit widmeten wir der Öffnung des Brustkorbs sowie der Position von Schultern, Becken und Kopf. Mithilfe von Bolstern, Decken, Klötzen und Stühlen untersuchten wir verschiedene unterstützte Haltungen, insbesondere Savasana und Supta Virasana.

Während der praktischen Demonstrationen beobachteten wir, wie bereits eine kleine Veränderung der Höhe einer Unterstützung die Position der Wirbelsäule, die Gewichtsverteilung und das Empfinden in einer Asana beeinflussen kann. Stephanie betonte, wie wichtig es ist, Raum im Brustkorb zu schaffen und den Körper so zu unterstützen, dass Entspannung möglich wird, ohne die korrekte Ausrichtung zu verlieren.

Wir beschäftigten uns auch mit dem Begriff Prana Vayu, der in der Yogaphilosophie mit der Einatmung, dem Aufnehmen und der Lebensenergie verbunden ist. Unsere Aufmerksamkeit richtete sich auf die Beobachtung des Atems, insbesondere auf die kurze, kaum wahrnehmbare Pause zwischen Ein- und Ausatmung.

Zum Abschluss des Tages reflektierten wir über die umfassendere Bedeutung der Yogapraxis. Warum kommen Menschen immer wieder zum Yoga zurück? Häufig einfach deshalb, weil sie sich nach dem Üben besser fühlen. Eine regelmäßige Praxis bietet jedoch auch die Möglichkeit, mehr Bewusstsein zu entwickeln, gewohnte Verhaltensmuster zu erkennen und die Beziehung zu sich selbst und anderen schrittweise zu verändern.

Beim Unterrichten ist deshalb nicht nur die korrekte Ausführung einer Asana wichtig, sondern auch das Verständnis für den Menschen, der sie praktiziert. Jeder Schüler bringt unterschiedliche Bedürfnisse, Fähigkeiten und Einschränkungen mit. Die Aufgabe der Lehrperson besteht darin, diese Unterschiede zu erkennen und die Praxis entsprechend anzupassen.

 

Zweiter Tag: Hoher Blutdruck, chronische Erschöpfung und Anpassung der Praxis

Am zweiten Tag beschäftigten wir uns eingehender mit hohem Blutdruck, chronischer Erschöpfung und gesundheitlichen Beschwerden nach einer COVID-19-Erkrankung. Wir untersuchten, wie sich die Yogapraxis an den Gesundheitszustand, die Einschränkungen und die körperlichen Reaktionen jedes Einzelnen auf verschiedene Asanas anpassen lässt.

Stephanie bezeichnete hohen Blutdruck als stillen Killer (silent killer), da er über lange Zeit ohne erkennbare Symptome bestehen kann. In unserer Diskussion sprachen wir auch über verschiedene Beschwerden, etwa ein Druckgefühl im Kopf und brennende Augen, sowie über Zusammenhänge mit anderen Erkrankungen, darunter Diabetes.

Im praktischen Teil begannen wir mit Vorwärtsbeugen im Stehen, wobei eine geeignete Unterstützung des Kopfes und die Position der Augen im Mittelpunkt standen. Wir untersuchten, wie die Blickrichtung, die Position des Nackens und die Höhe der Unterstützung das Spannungsempfinden beeinflussen und wie sich Bedingungen schaffen lassen, um eine Haltung ruhiger und stabiler zu halten.

Anschließend praktizierten wir unterstützte Asanas wie Supta Virasana, Supta Baddha Konasana, Salamba Purvottanasana und Ustrasana. Mithilfe von Bolstern, Decken, Klötzen und Stühlen erprobten wir unterschiedliche Möglichkeiten, den Körper zu unterstützen. Besonderes Augenmerk lag auf der Position des Brustkorbs, der Schultern und der Wirbelsäule sowie auf der Verringerung unnötiger Muskelanstrengung.

Ein wichtiger Teil des Tages war auch chronischer Erschöpfung und gesundheitlichen Beschwerden nach COVID-19 gewidmet. Stephanie betonte, dass bei solchen Beschwerden ein längeres Halten der Asanas oder eine intensivere Praxis nicht unbedingt geeignet ist. Entscheidend ist es, die individuellen Reaktionen zu beobachten, Anzeichen von Überlastung zu erkennen und Dauer sowie Intensität der Haltungen entsprechend anzupassen. Dabei besprachen wir auch Veränderungen der Lippenfarbe als mögliches Warnzeichen.

Wir untersuchten eine Sequenz mit Adho Mukha Virasana, Supta Virasana, Adho Mukha Svanasana, Salamba Purvottanasana und Uttanasana. Für einige Varianten benötigten wir mehrere Hilfsmittel und die Unterstützung anderer Teilnehmender, um die Hilfsmittel für Kopf, Nacken und Rumpf präzise zu positionieren.

Die praktischen Demonstrationen verdeutlichten, wie wichtig das Zusammenspiel von Asana-Auswahl, Reihenfolge, Dauer und Ausführung ist. Dieselbe Haltung kann mit einer anderen Unterstützung oder Anpassung deutlich weniger Anstrengung erfordern und eine andere Erfahrung in der Praxis ermöglichen. Die Fähigkeit, diese Unterschiede wahrzunehmen und die individuelle Reaktion zu verstehen, gehört zu den wesentlichen Grundlagen des therapeutischen Ansatzes im Iyengar Yoga.

 

Dritter und vierter Tag: Neurologische Erkrankungen und therapeutische Praxis

An den letzten beiden Tagen beschäftigten wir uns mit neurologischen und anderen chronischen Erkrankungen, darunter Parkinson. Wir besprachen, wie Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht, der Koordination, der Muskelkraft und der Beweglichkeit alltägliche Bewegungen beeinflussen können und wie sich die Yogapraxis entsprechend anpassen lässt.

Einen großen Teil der Zeit widmeten wir der praktischen Arbeit. Wir wechselten in ein hervorragend ausgestattetes Yogastudio, in dem uns zahlreiche Hilfsmittel zur Verfügung standen, darunter Wandseile, ein Yoga-Pferd, Stühle, Gurte, Bolster und Holzklötze. So konnten wir unterschiedliche Varianten von Stehhaltungen, Vorwärtsbeugen, Rückwärtsbeugen und Umkehrhaltungen untersuchen.

Anhand praktischer Demonstrationen zeigte Stephanie, wie sich durch den gezielten Einsatz von Hilfsmitteln eine geeignete Unterstützung schaffen lässt, sodass auch Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit oder Gleichgewichtsproblemen bestimmte Haltungen ausführen können. Wir untersuchten Stabilität, räumliche Orientierung sowie die Position von Becken, Wirbelsäule und Schultergürtel. Besonders lehrreich war es zu beobachten, wie bereits eine kleine Veränderung der Körperposition oder der Höhe einer Unterstützung die Ausführung einer Asana beeinflussen kann.

Wir erprobten auch verschiedene Einsatzmöglichkeiten von Wandseilen und dem Yoga-Pferd, die andere Zugänge zur Streckung der Wirbelsäule, zur Öffnung des Brustkorbs und zu unterstützten Umkehrhaltungen ermöglichen. Dabei betonte Stephanie immer wieder, wie wichtig eine genaue Beobachtung und das Verständnis dafür sind, warum eine bestimmte Anpassung eingesetzt wird.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der letzten beiden Tage war, dass dieselbe Diagnose nicht zwangsläufig dieselbe Yogapraxis erfordert. Bei der Gestaltung einer Sequenz müssen wir das Alter, den Gesundheitszustand, die körperlichen Fähigkeiten und die aktuellen Einschränkungen jedes Einzelnen berücksichtigen. Die praktischen Demonstrationen zeigten, wie vielfältig und individuell angepasst der therapeutische Ansatz im Iyengar Yoga sein kann.

 

Vier Tage mit Stephanie Quirk boten viele neue Erkenntnisse, praktische Erfahrungen und Gelegenheiten, unser Verständnis zu vertiefen. Der Workshop zeigte einmal mehr, wie viel Wissen und Verständnis für den menschlichen Körper der therapeutische Ansatz im Iyengar Yoga erfordert.

An Stephanie schätze ich besonders ihre Fähigkeit, komplexe Themen mit konkreten Beispielen aus der Praxis zu verbinden. Ihre Erklärungen, präzisen Demonstrationen und Fragen regen uns dazu an, über die reine Ausführung einer Asana hinauszugehen und auch ihre Wirkungsweise und ihren Zweck zu verstehen.

Guter Unterricht erfordert kontinuierliche Beobachtung, Erforschung und die Bereitschaft, immer weiterzulernen. Jeder dieser Workshops wirft neue Fragen auf und eröffnet einen anderen Blick auf eine Praxis, die wir bereits seit vielen Jahren kennen.

Ich freue mich darauf, meine Ausbildung fortzusetzen und zu entdecken, welche neuen Erkenntnisse das siebte Modul bringen wird.

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